Blaues Traum-Gebäck zum Abheben

Blaues Gebäck

In einer großen Traum-Konzerthalle finden Flugvorführungen statt. Es gibt einfache Methoden, mit denen jeder auch in seinen Träumen schweben oder fliegen kann. Paul Gecko erinnert sich, anfangs war es nur einer, der bis zur Perfektion fliegen konnte. Dann waren es 3 und schließlich sind es 7 Personen gewesen. Mittlerweile könnte es eine Massenbewegung sein. Doch bevor es eine Massenbewegung wird, stehen erhebliche gesellschaftliche, moralische und religiöse Hürden im Weg.

Die Bedeutung von Flugträumen für kirchliche Geistliche

Paul Gecko gehört zu den Nachfolgern der Klartraumflieger. Freiwillig stürzt er sich vor den Augen seiner Traumzuschauer vom Bühnenbalkon in den Zuschauerraum. Besonders ältere Mitmenschen wollen es nicht glauben was sie von Pauls Flug sehen, Deshalb halten die Alten ihn nicht nur für ein bisschen verrückt, sondern auch für einen lebensmüden Drogenabhängigen.

Auf einer kirchlichen Veranstaltung möchte Paul das Thema Flugträume unter ethischen Gesichtspunkten ernsthaft diskutieren. Um den Teilnehmern Flugträume schmackhaft zu machen, hat er einen blauen Kuchen gebacken. Ungeniert bietet er ihn wie bei einer Fronleichnamsprozession als Leib Christi an. Nach der Einnahme, lädt er die einfachen Menschen zu einer Himmelsfahrt einlädt. Doch die Kirchengeistlichen vermuten in seinem blauen Gebäck illegale Drogen.

Außerdem widerspricht es der Auffassung der einfachen Gläubigen, vordem Tod eine Flugerlaubnis in den Himmel zu bekommen Erst beim jüngsten Gericht entscheidet sich, ob jemand in den Himmel schweben darf oder in den Niederungen der Hölle schmoren muss. Vorher muss der Gläubige erst einmal durchs Tal der Tränen gehen, um sich zu bewähren. Anders ausgedrückt unter Entbehrungen und Mühsal soll der Gläubige sich erst einmal unter Seinesgleichen sich seinen alltäglichen Problemen stellen. Nur so kann er über sich hinaus wachsen, Flügel bekommen und Anerkennung in der Gesellschaft finden.

Flugträume sind keine Fluchtträume

Flugträume werden in der Psychoanalyse gerne mit Fluchtträumen gleichgestellt. Sie sollen zeugen von charakterlicher, jugendlicher Unreife zeugen.  Aus diesem Grund werden sie als ein Ersatzventil für die fehlende Zustimmung durch andere verurteilt. Applaus von seinen Mitmenschen verdient nur der, der etwas für die Allgemeinheit geleistet hat. Der Applaus von den eigenen Traumfiguren für eigensinnige Flugeinlagen ist ein falsches Signal.

Obwohl Paul Gecko das vernichtende Urteil seiner Zeitgenossen befürchtet, kann er nicht über seinen Schatten springen. Während Paul schon auf der Himmelsleiter in seinem Traum sitzt, verbirgt er erst einmal das blaue Gebäck hinter seinem Rücken.

Nach dem Kirchengang sitzt Paul mit anderen kirchlich Geächteten an einer Uferpromenade. Sie unterhalten sich über ihre Laster. Der eine masturbiert gerne, der andere vögelt lieber außerhalb der Ehe. Als die Sittenwächter erscheinen, wollen die anderen Paul die Schuld für ihre Laster zuschieben. Doch er wehrt sich nur halbherzig dagegen. Irritiert und irgendwie schuldbewusst wacht er nicht im sondern aus dem Traum auf.

Paul Gecko wäre beinahe luzid geworden, wenn ihn nicht seine moralischen Zweifel eingeholt und vor den Sittenwächtern schamhaft verborgen hätte. Seine Traumfiguren und Flugerfahrungen sind untrennbar mit ihm verbunden, egal was außenstehende, reale Mitmenschen dabei von ihm denken. Die Traum-Erfahrung mit dem blauen Traum-Gebäck ist deshalb für ihn nicht mehr und nicht weniger wert!

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