Klarträume direkt nach dem Einnicken …

Nacht und Tag 45
Fotografie

…sind eine faszinierende, entspannte aber schwierige Aufgabe, die Paul Gecko bei seinen langen Erfahrungen mit Klarträumen geübt hat. Voraussetzung für das Erzeugen eines Klartraums ist ein einprägsames Bildgedächtnis direkt nach dem Einnicken und kurz vor der Bewusstlosigkeit.

Ausgehend von der realen Wahrnehmung von Wirklichkeit, die der fotografischen Wahrnehmung ähnlich ist, beobachtet er einen unbedeutenden Gegenstand oder eine Szenerie. Dabei stellt er sich die Frage:“Träume oder Wache ich?“

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Fokussierte Szenerie

Der fokussierte Blick

Jedoch sucht Paul dabei keine rationale Antwort, die mit Ja oder Nein – Eins oder Null – beantwortet werden kann. Er intensiviert und entspannt vor allem seine Wahrnehmung mit offenen Augen. Es ist für ihn wie an einem sonnigen Tag. Er fokussiert einen unbedeutenden Punkt oder Gegenstand und atmet dabei ein. Langsam schließt er die Augen.

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Schweifendes Nachbild

Nun hält er den Atem an und lässt bewusst leuchtende Nachbilder über seine Netzhaut schemenhafte schweifen. Das Gesehene um ihn herum löst sich auf.

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Fahles Nachbild

Die Welt losgelöst mit anderen Augen sehen

Paul hält die Augen geschlossen und den Atem an bis es Nacht für ihn wird. Die Szenerie erinnert ihn an die Nacht, in der der Vollmond im fahlen Licht scheint. Die Szenerie ist fragmentarisch unscharf und farblos. Wenn das Nachbild endgültig im dunklen Raum verschwindet, atmet er langsam aus und öffnet die Augen dabei wieder. Daraufhin sieht er die Welt losgelöst mit anderen Augen. Sein Blick ist 50 bis 70 Prozent geöffnet. Er nennt ihn Schlafzimmerblick, bei dem die Außenwelt noch nicht so klar erscheint und bei dem das Auge sich erst wieder an das grelle Tageslicht gewöhnen muss. Er hält seinen Kopf und Körper weitgehend bewegungslos und atmet dabei normal weiter ein und aus. Dieser lichte Zustand erinnert ihn an seine luziden Träume. Deshalb fragt er sich: „Fällt mir etwas Ungewöhnliches, traumartiges auf?“

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Unfokusierter Schlafzimmerblick

Abstellen des inneren Monologs

Diese Augenübungen wiederholt Paul mehrmals am Tag, möglichst begleitet mit Atemübungen, die in ähnlicher Form schon an früherer Stelle näher beschrieben wurden. Die Atemübungen helfen ihm seinen inneren Monolog abzustellen.

Allerdings vermeidet er es in gefährlichen Situationen, wenn er zum Beispiel am Steuer eines Autos sitzt seinen Blick von der sichtbaren Welt zu loszulösen. Denn er weiß, ohne Blickfixierung können schnell gefährliche unkontrollierbare Situationen entstehen.

Das Wesen der Nachbilder

Er vergleicht die Nachbilder bei geschlossenen Augen mit dem irisierenden Lichtspiel von Pfauenaugen. Pfauenaugen erzeugen ihre schillernden Farben nicht nur mit Eigenfarben, sondern durch die besonderen, transparenten Strukturen der Federn. Sie sorgen dafür, dass gewisse Wellenlängenbereiche des Lichts stark reflektiert werden, andere durchgelassen und vom darunterliegenden dunklen Pigment verschluckt werden. Diese Wirkung kommt auch auf Seifenblasen, Ölflecken, Schmetterlingsflügeln und auf der Iris der Augenpupille vor. Dieser Vorgang kann aber ebenso auf die Netzhaut des menschlichen Auges übertragen werden. Wir nehmen nicht so sehr die Farbpigmente selbst wahr, sondern vor allem die Reflexionen des Lichtes, die das Leuchten der Farbpigmente verstärken. Die Reflexionen wiederum erscheinen als fragmentarische Tagesreste vor unseren geschlossenen Augen und in unseren Traumbildern.

Die Schwierigkeit innere Traumbilder lebendig werden zu lassen

Wenn Paul versucht die äußeren Eindrücke als Traumbilder wieder vor seinem inneren „Pfauenauge“ lebendig werden zu lassen, fällt ihm das erst einmal schwer. Immer wieder verschwinden schemenhaft die inneren Bilder aus seinem Gesichtsfeld. Denn seine unruhigen Gedanken kommen ihm immer wieder in die Quere.

Um das Verschwinden der inneren Bilder zu verhindern, muss er erst einmal sich in eine vertraute, sichere Umgebung zurückziehen und sich in eine optimalen Ruheposition begeben. Diese Ruheposition ist entweder in der Meditation sitzend oder im Dösen liegend begleitet von Atemübungen zu erreichen. Wenn er seinen Körper absolut still hält und seinen innerer Monolog zum Schweigen bringt, wird er einen Punkt erreichen, an dem er fast einnicken wird.

Paul weiß, alles, was er in der Dunkelheit bei geschlossenen Augen wahrnimmt, kann Ausgang eines klaren Traumbildes sein. Die tranceartigen Übungen, die er tagsüber zum entspannten Sehen angefangen hatte, kann er nun in der Dunkelheit fortsetzen. Er versucht kein bestimmtes Traumbild lebendig werden zu lassen. Die meditativen Übungen sind neben der Frage: Träume oder Wache ich? auch mit der eindringlichen Absicht: Klar zu träumen! verbunden. Je mehr er seine Wahrnehmung entspannt und in seine innere dunkle Traumwelt,  die er als Eindrücke tagsüber erlebt hatte, abtaucht, um so mehr erreicht er den Punkt des Einschlafens.

Der Moment vor der Bewusstlosigkeit kann luzide werden

Paul kann einen Moment weg sacken, bevor er sich seines Traumzustandes bewusst wird. Bevor er jedoch das Bewusstsein verliert  fragt er sich im Halbschlaf:“Ist etwas ungewöhnliches passiert?“ Dabei überprüft er seinen Wachzustand. Bemerkt er daraufhin luzide intensiv träumt, kann er jederzeit wieder aus dem Traum aufwachen. Denn der Klartraumzustand ist fragil. Jedoch vor dem endgültigen Aufwachen kann er das Verschwinden seiner Traumbilder hinauszögern.

Die Verlängerung des Klartraums

Die Traumbilder können Szenerien sein, die er tagsüber in der Realität fokussiert hat oder aber auch länger zurückliegende einprägsame Erfahrungen sein, die wieder lebendig werden. Es kann ein Gegenstand (Hand) sein, den er vor seinem inneren Auge erkennt. Es kann aber auch eine lebendige Szenerie (Herbstlandschaft) sein, die sich verändert oder die er beeinflussen kann. Jedes Mal empfindet er es bewusst als Schwebezustand.

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Nacht-und-Tag-Gleiche im träumenden Pfauenauge

Allumfassende Glückserfahrung

Obwohl Paul Gecko sich seines nächtlichen Traumzustandes bewusst ist, ist es in seinem Traum hell und klar. Tag und Nacht sind gleichbedeutend in seinem träumenden Pfauenauge. Das ist für ihn eine allumfassende Glückserfahrung, die solange anhält bis sein analytischer rationaler Verstand, der innere Monolog, wieder einsetzt. Dann verschwimmt das Traumbild wieder vor seinem inneren Pfauenauge und er wacht mit seinem Bewusstsein endgültig nach oben (Himmel, Kopfbereich) in der lichten Realität auf.

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Lichte Realität

Wenn Paul jedoch den Traum verlängern will, orientiert er sich im Traum besser nach unten (Erde, Bauchbereich). Dabei kann er leicht wieder in den unbewussten Zustand zurücksinken, aus dem er vorher im Klartraum erwacht ist. Nur durch die erneute kritische Fragestellung: Träume oder wache ich, kann er wieder sich seines zwischen Nacht und Tag schwebenden Traumzustandes bewusst werden.

Die Notwendigkeit seine Träume zu verstehen

Es ist für Paul also nicht unbedingt notwendig immer seine Träume zu verstehen oder aus ihnen wichtige Botschaften zu entnehmen, um klar zu träumen. Bei einer optimalen Entspannung seines Körpers und seiner Wahrnehmung beim gleichzeitigen Einstellen des inneren Monologs können sich vorm inneren Auge klare Traumbilder entwickeln.

Wenn die Traumbilder jedoch zu erschreckend für Paul sind, wird er nicht umhin kommen seine Träume aufzuschreiben, um ihre beunruhigenden Botschaften besser zu verstehen und die Alpträume eines Nachts bei einem luziden Traum in positive Lösungen umwandeln zu können.
Zugriffszaehler
Email an Klaus- H. Schader